Ist Signal sicherer als WhatsApp?
Ja. Beide Messenger verschlüsseln Nachrichten und Anrufe Ende-zu-Ende, Signal erhebt aber kaum Metadaten, ist Open Source und wird von einer gemeinnützigen Stiftung ohne Werbegeschäft betrieben. WhatsApp sammelt deutlich mehr Daten rund um deine Kommunikation und gehört zum Meta-Konzern.
Viele Menschen nutzen WhatsApp, um mit Freund:innen, Familie und Kolleg:innen in Kontakt zu bleiben. Weniger bekannt ist, wie viele Daten dabei neben den eigentlichen Nachrichten anfallen – und dass der Messenger zum Meta-Konzern gehört, zu dem auch Facebook und Instagram zählen. Datenschützer:innen sehen das seit Jahren kritisch und empfehlen Alternativen wie Signal. Hier erfährst du, wie sich beide Messenger beim Datenschutz unterscheiden und was das für dich und dein Unternehmen bedeutet.
WhatsApp vs. Signal auf einen Blick
Wie geht WhatsApp mit deinen Daten um?
Seit 2016 verschlüsselt WhatsApp Nachrichten und Anrufe standardmäßig Ende-zu-Ende – und nutzt dafür das Signal-Protokoll, das ursprünglich für Signal entwickelt wurde. Inhalte wie Texte, Bilder oder Sprachnachrichten kann WhatsApp deshalb nicht mitlesen.
Anders sieht es bei den Metadaten aus. WhatsApp erhebt unter anderem:
- Telefonnummer, Profilname und Profilbild
- die Telefonnummern aus deinem Adressbuch, wenn du den Kontaktzugriff erlaubst
- Nutzungszeiten, Online-Status und Gruppenzugehörigkeiten
- Geräte-, Verbindungs- und ungefähre Standortdaten (z. B. über die IP-Adresse)
Aus diesen Daten lässt sich ablesen, wer wann mit wem kommuniziert – auch ohne die Inhalte zu kennen.
Drei weitere Punkte solltest du kennen:
- Backups: Chatverläufe werden auf Wunsch in Google Drive oder iCloud gesichert. Seit 2021 lässt sich dafür eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aktivieren – standardmäßig ist sie aber aus. Ohne sie liegen die Backups unverschlüsselt beim Cloud-Anbieter.
- Unzustellbare Nachrichten: Kann eine Nachricht nicht zugestellt werden, speichert WhatsApp sie verschlüsselt bis zu 30 Tage auf seinen Servern und löscht sie danach.
- Meta AI: In WhatsApp ist inzwischen ein KI-Assistent von Meta eingebaut. Nachrichten an Meta AI sind nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt wie normale Chats. Was Meta mit solchen Daten macht, erklärt unser Artikel zu Meta AI.
Welche Daten teilt WhatsApp mit Meta?
WhatsApp teilt bestimmte Informationen mit anderen Meta-Unternehmen, etwa für Infrastruktur, Sicherheit und den Schutz vor Spam und Missbrauch. Für Nutzer:innen in der EU gilt eine Besonderheit: Laut WhatsApp werden ihre Daten nicht an Meta weitergegeben, damit Meta damit eigene Produkte oder Werbung auf Facebook und Instagram verbessert. Diese Zusage hat WhatsApp 2023 auch gegenüber der EU-Kommission bestätigt.
Völlig unkritisch ist die Datenverarbeitung trotzdem nicht. Die irische Datenschutzbehörde hat WhatsApp 2021 zu einem Bußgeld von 225 Millionen Euro verurteilt, weil der Dienst nicht ausreichend transparent darüber informiert hatte, wie er Daten verarbeitet und mit anderen Meta-Unternehmen teilt.
So forderst du deine Daten bei WhatsApp an
Nach Art. 15 DSGVO hast du ein Recht auf Auskunft darüber, welche Daten WhatsApp über dich speichert. Den Bericht kannst du direkt in der App anfordern:
- Öffne WhatsApp und gehe zu Einstellungen.
- Wähle Account aus.
- Tippe auf Account-Info anfordern.
- Bestätige die Anfrage.
Nach etwa drei Tagen steht ein Bericht mit Informationen zu deinem Konto und deinen Einstellungen zum Download bereit. Je nach App-Version kann der Menüpfad leicht abweichen. Chatinhalte enthält der Bericht nicht. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du im Hilfebereich von WhatsApp.
Was macht Signal beim Datenschutz besser?
Signal wird von der gemeinnützigen Signal Foundation betrieben und finanziert sich ausschließlich über Spenden. Ein Geschäftsmodell mit Daten oder Werbung gibt es nicht. Der Quellcode ist öffentlich, sodass unabhängige Fachleute ihn prüfen können.
Die wichtigsten Unterschiede zu WhatsApp:
- Minimale Daten: Signal speichert nur die Telefonnummer, das Registrierungsdatum und den Zeitpunkt der letzten Verbindung. Kontakte, Gruppen und Profilinformationen bleiben verschlüsselt.
- Nutzernamen statt Telefonnummer: Du kannst einen Nutzernamen anlegen und deine Telefonnummer für andere verbergen.
- Verschlüsselung überall: Nachrichten, Anrufe, Videoanrufe und Gruppenanrufe mit bis zu 75 Personen sind immer Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Die Verschlüsselung muss nicht aktiviert werden.
- Kaum Metadaten: Mit der Funktion „Sealed Sender“ sieht selbst Signal bei den meisten Nachrichten nicht, wer sie verschickt hat.
- Selbstlöschende Nachrichten: Du kannst einen Timer festlegen, nach dem Nachrichten automatisch gelöscht werden.
Nachrichten werden auf den Servern von Signal nur verschlüsselt zwischengespeichert, bis sie zugestellt sind, und danach gelöscht. Dauerhaft liegen sie nur auf den Endgeräten.
WhatsApp im Unternehmen: Was du beachten musst
Für Unternehmen ist WhatsApp aus Datenschutzsicht schwierig. Das größte Problem ist der Kontaktabgleich: Wer WhatsApp den Zugriff auf das Adressbuch erlaubt, übermittelt die Telefonnummern aller Kontakte an WhatsApp – auch von Personen, die WhatsApp gar nicht nutzen und dem nie zugestimmt haben. Dafür fehlt dem Unternehmen in der Regel eine Rechtsgrundlage.
Dazu kommen weitere Punkte:
- Für die normale WhatsApp-App gibt es keinen Auftragsverarbeitungsvertrag mit WhatsApp.
- Geschäftliche Chats auf privaten Geräten lassen sich kaum kontrollieren, archivieren oder löschen.
- Daten können in die USA übermittelt werden.
Wer im Kundenkontakt nicht auf WhatsApp verzichten will, sollte auf die WhatsApp Business Platform setzen und sie sauber einrichten. Wie das geht, erklärt unser Artikel WhatsApp für Unternehmen DSGVO-konform nutzen. Für die interne Kommunikation sind Messenger wie Signal, Threema oder Wire meist die bessere Wahl. Wichtig ist in jedem Fall eine klare Messenger-Richtlinie für dein Team.
Einen aktuellen Überblick über die Datenschutzrisiken von WhatsApp findest du außerdem in unserem Artikel WhatsApp und Datenschutz 2026.
Ist ein Wechsel zu Signal realistisch?
WhatsApp ist so weit verbreitet, dass es für viele fast zur Grundvoraussetzung für Kommunikation geworden ist. Ein Messenger bringt nur dann etwas, wenn das eigene Umfeld ihn ebenfalls nutzt – das macht einen Wechsel schwer.
In Unternehmen sieht das anders aus: Hier kannst du festlegen, welcher Messenger für die interne Kommunikation genutzt wird. Viele Unternehmen, denen Datenschutz wichtig ist, setzen deshalb intern auf Signal oder Threema und nutzen WhatsApp höchstens über die Business Platform für den Kundenkontakt.
Fazit
WhatsApp verschlüsselt Inhalte zuverlässig, sammelt aber viele Metadaten und gehört zum Meta-Konzern. Signal ist beim Datenschutz klar im Vorteil: kaum Metadaten, Open Source, keine Werbung und ein gemeinnütziger Betreiber.
Für Unternehmen gilt: Private WhatsApp-Konten sind für die geschäftliche Kommunikation kaum DSGVO-konform zu nutzen. Für interne Chats ist Signal eine sichere Alternative, für den Kundenkontakt braucht es eine sauber eingerichtete Business-Lösung und eine klare Messenger-Richtlinie.
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FAQ
Was speichert WhatsApp über mich?
Was speichert WhatsApp über mich?
WhatsApp sammelt Metadaten wie Telefonnummer, IP-Adresse, Geräteinformationen, Standort und Nutzungsverhalten – selbst wenn Nachrichten verschlüsselt sind.
Sind meine Daten bei WhatsApp sicher?
Sind meine Daten bei WhatsApp sicher?
Teilweise. Nachrichteninhalte sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt, Metadaten werden aber gespeichert und teilweise innerhalb des Meta-Konzerns geteilt – in der EU laut WhatsApp nicht für Werbung.
Was unterscheidet WhatsApp von Signal?
Was unterscheidet WhatsApp von Signal?
Signal ist Open Source, werbefrei, wird von einer gemeinnützigen Stiftung betrieben und speichert kaum Metadaten – im Gegensatz zu WhatsApp.
Ist WhatsApp im Unternehmen DSGVO-konform nutzbar?
Ist WhatsApp im Unternehmen DSGVO-konform nutzbar?
Nur mit großem Aufwand und Einschränkungen. Für sensible Daten empfiehlt sich der Einsatz alternativer Messenger wie Signal oder Threema.
Warum ist Signal besser für den Datenschutz?
Warum ist Signal besser für den Datenschutz?
Signal speichert keine Inhalte, nutzt starke Verschlüsselung, verzichtet auf Datenweitergabe und Werbung – ideal für datensensible Kommunikation.








